Ravel, les 2 Concertos / Brucknerhaus, Linz,

septembre 2012

Die Königliche Philharmonie Flandern und Dirigent
Kees Bakels begeisterten beim Brucknerfest.

Hervorragende künstlerische Voraussetzungen für eine überzeugende Interpretation von Glanzlichtern des französischen Impressionismus schufen die vorzügliche „Königliche Philharmonie Flandern“, der gewissenhafte Dirigent Kees Bakels und der phänomenale Pianist Philippe Cassard. Sie widmeten sich einem ungewöhnlichen Programm mit zwei (!) Klavierkonzerten von Maurice Ravel und dem Orchestertriptychon „La Mer“ von Claude Debussy. Das Klavierkonzert in G-Dur lebt von der Klangvielfalt und dem raffinierten Orchester- und Klaviersatz. Der Solopart fordert vom Solisten „alles“ an Präzision, Musikalität und Virtuosität, aber auch Verinnerlichtes.
Dieses empfindsame Element bestimmte insbesondere den zweiten Satz, subtil ausgeformt, melodiös angelegt. Selbstverständlich hat hier das Orchester sehr fein begleitet und den Noten einen weiten Klangraum entlockt. Das Finale verlangt vom Pianisten die Künste eines Hexenmeisters. Dementsprechend lautstark folgte der Beifall auch aus dem Orchester. Um eine Stufe anspruchsvoller gibt sich Ravels Klavierkonzert „für die linke Hand“, ein Auftragswerk des Wiener Pianisten Paul Wittgenstein, der im Ersten Weltkrieg die rechte Hand verlor. Höchste Anerkennung für den Solisten. Unausbleiblich war eine Zugabe, ein herrliches Stück von Debussy. Die feinfühlige Interpretation von Debussys „La Mer“ stellte den symphonischen Duktus (Unfasslichkeit, Ruhe, Leidenschaft) fein ziseliert vor. Der Dirigent hat die Partitur aussagestark, plastisch und mit dem passenden Maß an Empfindsamkeit ausmodelliert. Die Orchesterzugabe, der „Slawische Tanz“ op. 46/3, wurde symphonisch lebendig ausgekostet.
Brucknerfest: Königliche Philharmonie Flandern, Kees Bakels (Dirigent), Philippe Cassard (Klavier), Brucknerhaus, 13. 9.

OÖN-Bewertung: sechs von sechs Sterne
 

Impressionismus pur Brucknerfest:
Königliche Philharmonie Flandern reüssierte mit Debussy und Ravel

Von Georgina Szeless
Da gab es Donnerstagabend beim Brucknerfest die Chance seltener Begegnungen, und schon zeigte sich eine gewisse Besuchermüdigkeit. Schade um jeden frei gebliebenen Platz im Linzer Brucknerhaus. Zum einen waren die Gründe dafür das erstmalige Gastspiel der Königlichen Philharmonie Flandern unter dem aus Amsterdam stammenden Kees Bakels (67) am Pult. Zum anderen das Programm, das ausschließlich Werke der beiden Spitzenvertreter des Impressionismus, Maurice Ravel und Claude Debussy, gegenüberstellte;
schließlich der hochqualifizierte französische Pianist Philippe Cassard (50), der höchstens von seiner umfangreichen Diskografie her bekannt sein dürfte.
Damit gab es indes genug, was rasch beeindruckte, begeisterte und faszinierte, zumal von allen Beteiligten auf höchstem Niveau musiziert wurde und das Publikum Zugaben verlangte.
Der musikalische Impressionismus (anders als in der Malerie um 1890 bis 1920) darf keineswegs als enge Stilrichtung gesehen werden. Die formüberdrüssigen Komponisten wurden zu schillernder Klang- und Farbkunst inspiriert. Und daraus resultiert auch in ihrer Musik die Weite der Ausdrucksmöglichkeiten. So hinterließ der Abend keinen Moment den Eindruck von Gleichförmig- oder Langweiligkeit.
Im übrigen sind Ravel und Debussy ohnehin in höchst unterschiedlicher Weise dem Impressionismus gefolgt und haben jeder für sich eine eigene (leicht erkennbare) Sprache gefunden. Ravels Klavierkonzert G-Dur und sein berühmtes Konzert „für die linke Hand“, ein aus der Not entstandenes Werk, weil der Pianist Paul Wittgenstein im Krieg seinen rechten Arm verlor, gleichen in ihrer Struktur überhaupt nicht einander.
Philippe Cassard setzte zur Darstellung beider Werke alle seine Kunst der Profilierung ein. Die „königliche“ Begleitung war in verlässlicher Hand des sympathischen Dirigenten. Er brauchte keinen Stab und malte jede noch so feine Nuance auch bei Debussys Triptychon „La Mer“ mit ausdrucksstarker Gestik.
Unvergesslich, diese Begegnung mit dem vielleicht interessantesten Orchesterkonzert des Brucknerfests. Ein unerwarteter Triumph.
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Heute
beim Brucknerfest: 10-16 Uhr „Anton b.ebt“, Familientag im Brucknerhaus. 19.30 Uhr, Stift St. Florian: Bruckner Orchester unter Dennis Russell Davies, „Fünfte“ Bruckner.

 
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